Ab in die Sonne Südafrikas

Pünktlich zum frostigen Aschermittwoch geht der Airbus A330 von Frankfurt auf in die Sonne Südafrikas. Nach mehr als 10.000 km Flug in südlicher Richtung ist Kapstadt erreicht und die kleine Panne mit dem fehlenden Gepäck bei der Zwischenlandung in Johannesburg schon fast wieder vergessen. Volker ist schon hier und Michael grad gelandet, jetzt wollen wir gleich am nächsten Tag unsere 14 tägige Gleitschirmreise in der Gegend um Porterville beginnen.

Wir starten früh, denn von unserer Lodge in Capetown gilt es erst mal ca. 160 km im gut klimatisierten Gefrierfach eines Zehnsitzer Toyota zu sitzen. Am Startplatz in Kardoesie angekommen warten wir auf die ersten Vögel am Himmel und staunen über die Weite des 20 km breiten Tals. Mit unserem Guide besprechen wir die Bedingungen für den Start und das richtige Vorgehen zum geplanten Flug. Durch eine leichte Krümmung des Gebirgsgrates kann man die gesamte 60 km lange Ridge Richtung Süden entlang sehen.

Wer landen muss wird mit dem Pickup Car wieder eingesammelt, allerdings nicht überall. Es gibt hier Teilstrecken die besser überflogen werden sollten, da manche im Tal lebenden Farmer keine Durchfahrt auf ihrem Gelände zulassen. Piloten welche ihren Landplatz dort finden, dürfen die Ausrüstung auch mal zur nächsten öffentlichen Straße tragen. Bei Temperaturen zwischen 33 – 40°C ist dann der Winter schnell vergessen. Im schlechtesten Fall spaziert man dabei auf einer staubigen Schotterstraße zwei Stunden bis zum Abholpunkt und kann bei grandiosen Sichtbedingungen zuschauen wo der Rest der Meute fliegt.

Im Laufe der ersten Woche werden in der Gruppe schon Strecken bis zu 75 km geflogen. Beim gemeinsamen Abendessen der zehn Flieger aus England, Holland und Baden prosten wir unseren Helden der Lüfte zu und genießen den Komfort der Country Lodge im Citrusdal.

Wind und Wetter bestimmen unser Fluggebiet, wir fliegen in den 14 Tagen daher auch am Sir Lowry's Pass, wechseln für mehrere Tage nach Sedgefield oder genießen einen Soaringtag in der Bucht von Langebaan.

In Sedgefield angekommen könnte der Kontrast nicht größer sein. Vom trockenen, heißen Steppenklima der abgemähten Getreidefelder Portervilles, finden wir uns in einem flachen sumpfigen Flussdelta wieder. Hier ziehen wir gerne wieder unsere Jacken an und genießen das kilometerlange Soaren in der kühlen Küstenluft entlang der Paradiseridge. Vom 1500 m hohen Hinterland kommt eine Vielzahl von Flüssen herabgeflossen, welche sich im Küstenbereich als flache Seen stauen. Alles ist grün, es gibt viel Wald und die Landschaft vermittelt fast ein bisschen Schwarzwaldfeeling.

Bis auf einen Tag, an dem es regnet, schafft es unser Guide tatsächlich immer gutes Flugwetter zu machen. Am Sir Lowry’s Pass warten wir lange, der Startplatz ist viel kleiner sowie der Wind viel kräftiger als gewohnt. Nach dem rauen Start fliege ich mit Andy und Richard aus England am Wolkenband des Bergmassivs entlang, blauer Himmel, blaues Meer sowie einige farbige Schirme um mich herum, ein erhebendes Gefühl. Der geplante Streckenflug der Gruppe entfällt aufgrund des kräftigen Windes und der fehlenden Basishöhe. Mit Wind und Hebern das 25 Meter lange Landefeld zu treffen erfordert dann noch etwas Konzentration, aber alle finden runter oder in die Büsche.

Am letzten Tag schaffen wir es auch noch auf den berühmten Lion’s Head. Es zeigt sich auch hier, wir sind nicht in Deutschland… der Startplatz ist steil, sehr steil. Ein Startabbruch endet nahezu immer mit einem Schirm oder Piloten in den Sträuchern und das willst Du nicht. Diese hübschen Pflanzen haben nicht nur Stacheln sondern auch Blätter mit Stacheln. Eine Mischung aus Seewind und Thermik fliegt sich anspruchsvoll. Wir landen alle save im Stadion, 15 Meter neben dem Clubrestaurant und genießen unser vorerst letztes Landebier in Capetown.

Wir kommen wieder!